No Consent!

Jule, 28 Jahre

Ich hasse Rasieren! Wenn es sich vermeiden lässt, dann lasse ich es bleiben. Im Winter zum Beispiel habe ich gar keinen Bock darauf. Schön finde ich die krausen Haare, die da aus meinen Beinen und Achseln wachsen jetzt nicht unbedingt, aber solange sie außer mir keiner sieht, sind sie mir auch ein stückweit egal. Trotzdem war es immer eine Horrorvorstellung für mich, in dieser Zeit mal ins Krankenhaus oder so zu müssen, wo dann alle meine haarigen Beine sehen würden.

Letzten Winter passierte dann genau das: Ich brach mir bei einem sehr unglücklichen Sturz das Bein und musste in die Notaufnahme. Wegen Corona durfte ich keine Begleitung mitnehmen und war ganz alleine dort. Es war mir sehr unangenehm, meine Hose vor dem behandelnden Arzt und den Pfleger*innen auszuziehen und meine haarigen Beine sowie sogar einen Teil meiner Intimbehaarung, die aus meiner alten, ausgebeulten Unterhose wuchsen, bloßzustellen. Aber die Schmerzen waren größer und mir war klar, dass ich meine Scham jetzt ein Stück zurück stellen musste. Keine Ahnung, ob Ärzt*innen so etwas öfter sehen, schließlich weiß ich von Freundinnen, dass sie sich im Winter auch oft nicht rasieren – ich hoffte es jedenfalls.

Der Arzt in der Notaufnahme ließ sich zunächst nichts anmerken, als ich mich ächzend aus der Hose geschält hatte. Stattdessen versuchte er mich mit flotten Sprüchen aufzuheitern. Ich war alleine mit ihm im Raum, als er mein Bein abtastete, bis ich unter Schmerzen aufjaulte. Während er mir erklärte, welche Schritte nun eingeleitet würden, ruhte seine Hand nach wie vor auf meinem Bein. Dabei schäkerte er weiter herum. Ich quälte mir ein Lächeln ab und fragte mich innerlich, ob er sich selbst so lustig fand, dass er nicht merkte, dass seine Hand auf meinem Bein keine medizinische Bedeutung mehr hatte. Es fiel mir schwer, ihm zuzuhören, bis irgendwann der Satz fiel „Sie kommen mir ja sehr natürlich vor…“. In meinem Kopf machte es Klick! Etwas zog sich in mir zusammen. Seine Hand lag immer noch auf meinem Bein und ich wünschte, ich hätte in dem Moment etwas entgegnet oder ihm eine reingehauen, aber ich war sowieso unter Schock wegen dem Sturz, hatte starke Schmerzen und konnte dann nicht auch noch so eine Reaktion händeln. Kurze Zeit später kam dann auch die Pflegerin zurück und brachte mich zum Röntgen. Sobald sie das Zimmer betrat, war seine Hand weg.

Deswegen jetzt nochmal für alle Arschlöcher da draußen, die es wagen, solche Situationen auszunutzen:

My body is not your playground!!!! Stop sexualising it!!!!!! And don’t touch me, if I don’t give you consent!!!!!!!!!!

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