Meine Entscheidung: beschlagnahmt

Norma Rennel, 19 Jahre

Die Entscheidung über MEINE Körperbehaarung lag lange Zeit nicht bei mir, sondern bei den Menschen und Medien, die mich umgaben.

Bereits in der Grundschule fühlte ich mich dazu gezwungen, meine Behaarung zu entfernen.

Ich saß im Turnunterricht, schaute umher und jedes einzelne Mädchen hatte seidenglatte, haarfreie Beine, nur ich nicht. Meine Beinhaare sprossen lichterloh.

Ich fühlte mich falsch und versuchte mit meinem T-Shirt meine Beine zu verdecken. Es war mir peinlich. Noch am gleichen Tag suchte ich verzweifelt nach einem Rasierer und rasierte meine Beine zum ersten Mal – aus Angst, meine Kameraden, insbesondere die Jungs, würden mich sonst nicht mögen.

Ich wurde jahrelang passiv oder aktiv dazu gezwungen, das ständige Entfernen meiner Bein- und Achselhaare zu meiner Normalität werden zu lassen. Ob es nun durch die Medien war, die IMMER und IMMER wieder Haarentferungsmethoden preisen, oder durch Menschen, dessen Kommentare mir das Gefühl gaben, mich rasieren zu MÜSSEN oder gar meine Haare mit Bleiche zu bearbeiten.

ANDERE entschieden über mich und meinen Körper und ich ließ es zu.

Dies ist nun nicht mehr so, denn ich entscheide nun selbst, ob ich meine Haare wegrasiere oder sie sprießen lasse. In den vergangenen Jahren habe ich an Selbstbewusstsein gewonnen und versuche nun auf die Meinung anderer zu pfeifen.

In diesem Moment, in dem ich diese Zeilen verfasse, sind meine Beine rasiert, meine Armhaare halb abgeknabbert und meine Achselhaare leuchten in Pink und Violet.

Ich sage nur: Kunst.

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