KreHaartiv

Laura, 29 Jahre

KreHaartiv?

nicht.

Vorab: Ich epiliere meine Beinhaare, meine Schamhaare werden höchstens mal gestutzt, wenn sie Glück haben und meine Achseln sind auch öfter behaart als nicht.

Diese Zustände sind alle irgendwie entstanden, ohne dass ich mir darüber große Gedanken gemacht hätte. Es war für mich immer klar, dass die sichtbaren Stellen enthaart werden. Da haben die Sozialisationsprozesse ganze Arbeit geleistet. Und nun fühle ich mich einfach wohler, wenn ich blanke Beine habe. Das Epilieren und das Eincremen danach sind mittlerweile Wohlfühlmomente, die ich mir ganz bewusst gönne. Sie sind Momente nur für mich und meinen Körper, die mich bestärken für die Welt da draußen. Ich fühl mich danach schön und zufrieden.

Meine Schambehaarung betrifft nun weit weniger Menschen, sodass ich da eigentlich nur aus hygienischen Gründen Hand anlege. Glücklicherweise habe ich nie schlechte und verurteilende Erfahrungen mit Kuschelpartnern gemacht, die meine Haare dort unten als etwas Hässliches oder Störendes wahrgenommen haben.

Und die Achseln werden nur bearbeitet, wenn meine Deocreme im Stinkekampf verliert.

Mir ist klar, dass mein Verhalten und Denken zu sehr großen Anteilen von der Gesellschaft beeinflusst wurde und immer noch wird und ich niemals meine Körperbehaarung entfernen würde, wenn es kein soziales Ding wäre. Mal angenommen, das gesellschaftliche Verständnis von Schönheit wären behaarte Frauen*körper, würde das so vieles für so viele so viel einfacher machen. Auch für mich. Keine müsste sich Gedanken machen, bevor sie im Sommer mit ihrer Lieblingsshorts nach draußen geht. Aber so starke Denkstrukturen zu verändern bedeutet ein Kampf, den ich nicht führen möchte… Weil ich sehr glücklich mit mir und meinem Körper bin und diese Norm kein Druck für mich bedeutet.

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