…? Es sind doch nur … Härchen?

XX, 25 Jahre

Ich finde es immer wieder erschreckend und faszinierend zugleich, dass ein so unwichtiges Thema, wie ein paar Härchen am Körper so viel Gehirnkapazität einnehmen können, wie oft ich das in meinen Gedanken habe, ob jemand meine Beine sieht, etc. Und das nur, weil ich als weiblich gelesene Person auf dieser Welt existiere. Das finde ich ziemlich unnötig und extrem nervig. Whatever, irgendwie fühle ich mich danach, auch meinen Senf dazu zu geben.. :D

Das erste Mal rasiert hab ich mich, glaube ich, wahrscheinlich so in der Mittelstufe. Einzig aus Scham und Angst davor, verurteilt zu werden. Hab mich grundsätzlich anders gefühlt als „alle anderen“. Ich erinnere mich an eine Situation, relativ früh, wo ich eine Dreiviertelhose an hatte und mich soo unwohl gefühlt hab, dass es mir hängen geblieben ist. Und jede Woche Sportunterricht, was für ein enormer Stress, immer unauffällig möglichst schnell die Kleidung zu wechseln. Und dann bleibt ja dieser Moment, in dem ich gesehen werden konnte. Ich hab nie den Aufwand beim Rasieren zur Perfektion getrieben, weil ich ab da auch draußen immer lange Hosen getragen habe, es war mehr so ein, „ja, ich hab mich bemüht, die Leute können sehen, dass ich die Haare zumindest nicht so lasse“, dass ich nicht völlig abgelehnt werde, aber auch nur so halbherzig, weil ich es im Grunde ja auch immer unnötig fand. Aber zumindest hat mir das Rasieren dann erlaubt, auch in Situationen zu sein, in denen eine lange Hose nicht immer möglich ist.

Ich hab es nie verstanden, warum die Bewertung der Körperbehaarung so unterschiedlich ist, bei weiblich gelesenen und männlich gelesenen Menschen, also nach den Dingen, die ich so im Internet gelesen hatte.. Es hat mich immer schon aufgeregt, aber mein Mut, das ganz konkret zu zeigen, der variiert noch immer je nach Umfeld. Ich bin jetzt 25 mittlerweile und habe zum Glück Umgebungen erleben können, in denen Körperbehaarung ganz normal ist, was mich zwischendurch ziemlich gut damit fühlen ließ. Aber mit kurzer Hose im Sommer ganz normal in Situationen mit Menschen, die ich nicht so gut kenne? Oder die ich noch kennenlerne? Sehr selten, dass ich mich das traue. Und selbst, wenn ich nur Sandalen und lange Hose trage – (die Härchen, die ich persönlich sogar mag, vor allem, wenn der Wind durch streicht,) diese Härchen sind sichtbar, wenn ich nicht „aufpasse“. Und so ertappe ich mich dann in „schützenden“ Positionen, die Hand „ganz zufällig“ an meinem Knöchel, wenn ich mich setze.

Wenn ich im öffentlichen Raum unterwegs bin, „suche“ ich fast schon automatisch nach Menschen, die ich als weiblich lese, die Körperbehaarung habe. So selten, wie es (außer in bestimmten, alternativen Kontexten) vorkommt, so sehr erleichtert es mich, sie zu sehen. Und hoffe, dass ich irgendwann selbst so eine Person sein kann.

So viele Gedanken für so ein unnötiges Thema. Ich mache es mir selbst nicht zum Vorwurf. Schließlich wurde ich lange so geprägt. Aber es macht mich traurig und wütend, dass Menschen sich nicht einfach in ihrem So-Sein akzeptieren können. Und es macht mich unsicher, weil ich mich nicht sicher fühle, in kurzen Hosen zu sein, wenn ich es möchte. Weil ich mich oft nicht so stark fühle, mit Beleidigung, Ablehnung umzugehen, die ich befürchte.

Selbst meine Mutter hat mich mehrfach angeregt, mich zu rasieren, selbst letztes Jahr noch. Erst war ich nur perplex, später konnte ich wenigstens meine Meinung sagen, bevor sie den Raum verließ. Alles klar, meine „Männerbeine“ sind also „abstoßend“. Was zur Hölle…

Und manchmal frage ich mich, ob meine Asexualität was mit dem Thema zu tun hat, bei mir war es nie ein Thema, für andere begehrenswert auszusehen, es war „nur“ der Aspekt, nicht verachtet zu werden. Und die Sorgen, was ein potenzieller Gegenpart im Geschlechtsverkehr von meiner Intimbehaarung denken könnte, die fallen für mich weg, weil ich keinen Sex hatte und auch nicht plane, je welchen anzustreben. :D

Also für mich selbst bin ich im Reinen mit jeglichen Haaren, die natürlicherweise an meinem Körper wachsen. Aber die Angst vor Verurteilung und Scham sitzen tief und sind meiner Meinung nach auch nicht unbegründet.. deswegen wird es wahrscheinlich noch was brauchen, bis ich das Thema aus meinem Kopf streichen kann – und hoffentlich ein bisschen befreiter durch die Welt gehe!

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