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Wir erzählen über Körperhaare

Safe Space

Super(hairy)woman* möchte Raum schaffen:
für unterschiedliche Erfahrungen, Meinungen und Schönheitsbilder.
Ein Raum für alle, die sich respektvoll mit Körpern, Weiblichkeit*
und der Enthaarungsnorm auseinandersetzen möchten.

Egal, ob du dich als weiblich*, genderqueer oder männlich* identifizierst, du bist eingeladen, deine Gedanken und Erfahrungen hier zu teilen und auf die Diskriminierung von Körperbehaarung aufgrund von Geschlechtlichkeit aufmerksam zu machen.

Lasst uns gemeinsam in einen Austausch treten und zur Entstigmatisierung von Haarfülle oder Haarlosigkeit sowie allem dazwischen beitragen und unsere verschiedenen Körper feiern.

Das erste Mal, als ich meine Körperhaare bewusst wahrgenommen habe, war ungefähr mit zwölf Jahren, als sich die Auswüchse der Pubertät an zuvor belanglosen Stellen meines Körpers langsam bemerkbar machten. Es war eine Zeit, in der das körperliche Erscheinungsbild und Weiblichkeit langsam eine immer größere Rolle für mich spielten und die Bravo Girl zur regelmäßigen Pflichtlektüre wurde…

Ich hasse Rasieren! Wenn es sich vermeiden lässt, dann lasse ich es bleiben. Im Winter zum Beispiel habe ich gar keinen Bock darauf. Schön finde ich die krausen Haare, die da aus meinen Beinen und Achseln wachsen jetzt nicht unbedingt, aber solange sie außer mir keiner sieht, sind sie mir auch ein stückweit egal. Trotzdem war es immer eine Horrorvorstellung für mich…

Ich kann mich noch daran erinnern, als mich meine Eltern Anfang der 1970er Jahre ins Autokino mitgenommen haben. Damals war es so, dass vor dem Film ein Trailer für die Spätvorstellung gezeigt wurde…

Durch eine Freundin und Kollegin habe ich von diesem Projekt erfahren. Sie weiß um den Seiltanz meines alltäglichen Lebens, mich einerseits beruflich gegen Diskriminierungsphänomene einzusetzen und mich andererseits privat diesen häufig demütig zu unterwerfen. Die damit oftmals einhergehende Ohnmacht und Wut…

Ich überwinde meine Scham

und komme näher an das Gefühl,

so bin ich.

 

Ich habe meine Scham

und denke…

Die Entscheidung über MEINE Körperbehaarung lag lange Zeit nicht bei mir, sondern bei den Menschen und Medien, die mich umgaben.

Bereits in der Grundschule fühlte ich mich dazu gezwungen, meine Behaarung zu entfernen.
Ich saß im Turnunterricht, schaute umher…

Neugierig schaue ich als junges, afrikanisches Mädchen im Spiegel die Haare an, die unter meinen Armen wachsen, genauso wie die Schamhaare zwischen meinen Beinen. Ich drehe mich schuldig um, um sicher zu gehen, dass nicht doch jemand durch die geschlossene Badezimmertür sehen kann, was ich tue…

Vorab: Ich epiliere meine Beinhaare, meine Schamhaare werden höchstens mal gestutzt, wenn sie Glück haben und meine Achseln sind auch öfter behaart als nicht.
Diese Zustände sind alle irgendwie entstanden, ohne dass ich mir darüber große Gedanken gemacht hätte. Es war für mich immer klar…

Vor ein paar Jahren habe ich an einem Casting-Workshop teilgenommen. Sein Thema war „Motivation für Schauspielende“. Was die Leiterin des Workshops aber geschafft hat, war uns die ganze Zeit zu demotivieren…

Während ich diese Zeilen schreibe, liege ich frisch geduscht und, passend zum Thema, mit frisch rasierten Beinen im Bett.
Noch fühlt sich alles glatt an, aber meine Schienbeine fangen schon leicht an zu jucken und ich frage mich wie so oft: Warum tue ich mir das an?

Bevor ich mit dem Super(hairy)woman* Projekt gestartet bin, hätte ich mich niemals getraut, meine Körperhaare anderen zu zeigen außer mir selbst. Und sogar vor mir selbst waren sie mir peinlich und unangenehm. Ich fand sie nicht schön. Ich konnte sie nicht als einen Teil von mir sehen und anerkennen. Das hat sich mittlerweile geändert…

(Beitragsbilder von Anna C. Paul, in Anlehnung an die Coverillustration des SHW* Buches von Moni Port / @portschau)

Du willst auch etwas erzählen?

Egal, wie du zu Körperhaaren an Frauen* stehst, du bist eingeladen, davon zu berichten.